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"DREI BLÖCKE als Zeitzeugen und die Okkupation Norwegens" -Ein eigenes Kunst-Projekt zur deutsch-norwegischen Geschichte.   Zu den Bildern

"SCHILD 1-18  -  skilt 1-18" - 2002-2003 - eine Installation zur deutsch-norwegischen Geschichte zum Thema genius loci auf der norwegischen Insel Helgöya (Ny Hellesund). Siehe auch Zu den Bildern  

"ZEITENLÄUFE" - ein interdisziplinäres Tanzprojekt im Rahmen der Landeskunstwochen 1992 in Kornwestheim.

 


"Drei Blöcke als Zeitzeugen und die Okkupation Norwegens"

 

Ausgangspunkt

Im Jahre 1992 bereitete ich für einen größeren Auftrag Steinmaterial bei Larvik/Südnorwegen vor. Während dieses Aufenthaltes entdeckte ich in einem stillgelegten Steinbruchbereich drei auf Maß gespitzte flechtenüberzogene Steinblöcke, die die deutschen Besatzer 1945 dort zurückließen. Die Norweger nannten sie GBI-Blöcke = Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt.

 

Das Projekt: Ziele – Leitmotive und Gedanken

Das aus intensiver innerer Befragung entwickelte Projekt gliedert sich in drei Teile. Sie bringen meine geistige und emotionale Verbundenheit und Achtung gegenüber dem norwegischen Volk zum Ausdruck. Jeweils möchte ich punktuell Deutsche und Norweger ins Gespräch und ins Kennenlernen bringen.

Das Projekt ist als Zeichen zu sehen, das Unrecht der Okkupation anzuschauen und Motive für eine weitere Versöhnung zu erarbeiten. Grundsätzlich war mir dabei wichtig, die norwegische Sprache zu lernen.

 

Das Kunstkonzept: ‚Norwegische Gruppe’ (siehe Modellfotos). Die Blöcke, je etwa 1,85x1x0,85m, wurden im Mai 1995 über Eck diagonal aufgesägt. Die neuen, schräg nach oben weisenden Sägeflächen der sechs keilförmigen Hälften wurden leicht angewölbt und poliert. Sie werden in einer künftigen Aufstellung an eine lockere Streuung von 25 Stahlbügel aus Flachstahl 12x6cm gruppiert. Jeder Bügel misst 3m Höhe. Die Stahlbügel verstärken mit ihrer Höhe den räumlichen Eindruck der flach am Boden lagernden Steinblockhälften. In den polierten, augenartigen Steinflächen spiegeln sich – Erinnerungsbildern gleich – Bäume, Himmel und die Stahlbügel. Dieses ‚Hoch-Blicken’ der Steinflächen im Verhältnis zur Ausrichtung der das Gelände durchwandernden Stahlbügel hat für mich elementar mit Erinnerung zu tun.

Die Dokumentation. In einer zweisprachigen Dokumentation wird das zeitliche und räumliche Umfeld des Fundes rundblickartig dargestellt.

Neue Musik. An eine/n norwegische/n  und deutsche/n Komponisten/in wird je ein Auftrag für ein kammermusikalisches Werk vergeben. Die beiden Persönlichkeiten sollen die Möglichkeit erhalten, sich an ihrem jeweiligen Tätigkeitsort zu besuchen und zu begegnen.

 

Die Schirmherrschaft haben übernommen: Frau Rut Brandt

                                                              Herr Dr. Hans-Jochen Vogel

 

Das Goethe-Institut in Oslo, aber auch die Königlich-Norwegische Botschaft und die Deutsche Botschaft und verschiedene weitere Persönlichkeiten auf gesellschaftlicher und politischer Ebene sind oder waren zeitweise mit dem Projekt vertraut.

 

Das Projekt spiegelt meine persönliche Betroffenheit wider angesichts der Verknüpfung dreier in Norwegen gefundener Steinblöcke mit der deutschen Geschichte, aber auch der geschichtlichen Zusammenhänge und Wirkungen des Nationalsozialismus bis in die heutige Zeit hinein. Für mich als Nachgeborener ist das Projekt deshalb auch Impuls und Möglichkeit, den Nationalsozialismus an seinen sichtbaren Wirkungen und Auswirkungen zu begreifen, um daraus mit meiner Sprache – der Kunst –  möglicherweise einen Beitrag zu seiner Aufarbeitung zu leisten.-

Das Kunstwerk und insbesondere die Dokumentation sollen nicht anklagen. Sie sollen hindeuten, sichtbar machen und Zusammenhänge auffächern. Aufarbeiten ist also gemeint im Sinne eines Anschauens, einer erhöhten Aufmerksamkeit; dadurch bekommt sie die Möglichkeit zur Gewissheit, zur Bewusstwerdung. Diese scheint mir auch heute noch notwendig zu sein.

Aufarbeiten ist aber auch gemeint im Sinne des Gedächtnis-Begriffes von Siegfried Lenz. Einmal spricht er von „Gedächtnisarbeit“ als Suche, Befragung, Aneignung von Vergangenem und daraus dann auch von einem Handeln für die Gegenwart. Lenz hat besonders in seinem frühen Roman ‚Stadtgespräch’ (norwegischer Titel: ‚bysnagg’) die Suche und Befragung von Vergangenheit sehr eindringlich und künstlerisch dargestellt.

Der Begriff der Erinnerung hat für das ganze Projekt eine zentrale Bedeutung.

 

Stand der Dinge

Seit Mai 1996 ist die ‚Norwegische Gruppe’ gefertigt und lagert in der Nähe von Larvik.

Im März 1997 gab es Kontakte zu Privatpersonen und Offiziellen der Gemeinde von Vinstra im Gudbrandsdal, die sich in der weiteren Entwicklung das Kunstwerk nach Kvam in einen zu gestaltenden Friedenspark wünschten. Frau Brandt besuchte im Juni die Gemeinde. Ich war im September dort. Das Grundstück und die historische Umgebung  schienen geeignet und so veranlasste ich einen Landschaftsarchitekten für den Park eine Form zu finden.

Diese hoffnungsvollen Entwicklungen in der Gemeinde Vinstra führten leider nicht zum Ziel. Die Verwaltung von Vinstra zog im Herbst 1997 ihren Entschluss nach einer Unterschriftenaktion wieder zurück.

 

Besonders durch die Präsenz Frau Rut Brandt, Herrn Dr. Hans-Jochen Vogel von ‚Gegen Vergessen – Für Demokratie’, Frau Dr. Jutta Lange-Quassowski von der Ernst-Strassmann-Stiftung, aber auch durch Birgit Mühlhaus vom Goethe-Institut in Oslo und Herrn MdB Franz Thönnes wurde das Projekt vorwärts gebracht.

 

Dennoch sehe ich heute, im Jahr 2008, keine Möglichkeit mehr, das Projekt in dieser Form umzusetzen. Ich erwäge, die sechs Blockhälften als allgemeines Kulturdenkmal ("Kulturminne") wieder der Kommune Larvik zuzuführen. Die Stahlbügel werde ich übernehmen und nach Deutschland schaffen.

 

Das Projekt wurde von der Ernst-Strassmann-Stiftung, von ‚Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.’ und dem Goethe-Institut in Oslo unterstützt.

 

 

oben: die drei Blöcke, wie ich Sie 1992 entdeckte
oben: die diagonal gesägten Blöcke und polierten Sägeflächen
oben: die 25 gebogenen Stahlbügel (Walzstahl 6x12cm)
weitere Bilder unten: Modell der Installation

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"SCHILD 1-18   -   skilt 1-18"

Projekt ‚GENIUS LOCI’ auf Helgöya / Ny Hellesund/Südnorwegen (siehe auch unter TEXTE)

 

 

Im Frühjahr 2002 wurde ich  vom Goethe-Institut in Oslo gefragt, ob ich an einem Ausstellungsprojekt zum Thema genius loci auf einer Insel mit deutscher Vergangenheit auf der Insel Helgöya (bei Kristiansand) teilnehmen möchte. 

Mir wurde Kompetenz zu diesem in Norwegen doch recht brisantem Thema zugetraut.

Ich reiste bald nach Norwegen, um die mir die Situation vor Ort anzuschauen und die beteiligten Persönlichkeiten kennenzulernen.

Danach entwickelte ich folgendes Konzept.

 

Im Mittelpunkt steht für mich die Präsenz und Ausstrahlung der massiven Eingriffe durch die deutsche Besatzung. Hier möchte ich reagieren und versuchen mit der Installation eine neue gesamtflächige Berührung der Insel zu erreichen.

Die grundlegende Gebärde des Küstenfort war die des Tarnens, Versteckens, Unsichtbarmachens, Anonymisierens, Angleichens bei gleichzeitiger Geste des möglichst Gutsehen, der Übersicht. Meine Installation wandelt dies um in Erhellen, Beleuchten und Reflektieren, Nach-Denken.

In der Spiegelung kann sich einerseits das reflektierte Sonnenlicht und der Schatten des Objektes auf die Insel und deren Umraum legen. Dieses Licht-Schatten-Band wandert im Tageslauf über Teile der Insel und beleuchtet, erhellt diese. (Bild: ‚Licht in eine Sache bringen’, befragen, genau hinsehen). Anderseits ist durch die Spiegelung die Möglichkeit gegeben, auf indirektem Wege etwas anzuschauen. Etwas, das nicht im gewöhnlichen Blickfeld liegt, das hinter einem Betrachter liegt, wird einseh- bar. Die Reflexion als Bild der historischen Reflexion des Ortes Helgøya: Erinnerung, Gedenken, Verstehen und daraus möglicherweise Handeln für die Gegenwart.

Der Mensch kann einen Standpunkt, einen Ort, eine (innere) Haltung einnehmen, und sich bestimmten Erinnerungs- und Gedankenbildern stellen und sie nach seinem Willen und Möglichkeiten ausleuchten. Das kann sich sowohl äußerlich an den Schild-Objekten als auch innerlich im Erkenntnis-Prozess gestalten.

Schild bedeutet das Schild im Sinne von Hinweisschild, als auch der Schild im Sinne von Abwehr- oder auch Reflexionsschild. Beiden ist gemeinsam, dass sie Fläche entgegenhalten und eine Aussage bzw. eine Geste vermittelt wird. Aussage und Geste vermittelt sich bei meiner Installation durch die Textfreiheit der Objekte und deren Spiegelfähigkeit. Der Zugang zu den historischen Schichten ist individuell und durch die Drehbarkeit der Objekte ist eine interaktive Handhabung möglich. J.G.

Siehe auch: www.geniusloci.no

 
 
 
 
 
 
 
 

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"ZEITENLÄUFE"- ein interdisziplinäres Tanzprojekt im Rahmen der Landeskunstwochen 1992 in Kornwestheim.

Teilnehmende verantwortliche Künstler:

Renate Killmann: Choreographie und künstlerische Gesamtleitung

Axel Weinstein: Musik

Theophil Maier: Sprache

Skulpturaler Raum: Jürgen Grieger

 

Das Projekt ist der Versuch einer Begegnung der Künste Tanz, Musik, Sprache und Skulpturaler  Raum untereinander, sowie die Begegnung dieser Künste mit der Thematik der Stadt Kornwestheim.

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