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"Drei Blöcke
als Zeitzeugen und die Okkupation Norwegens"
Ausgangspunkt
Im Jahre 1992 bereitete ich für einen größeren
Auftrag Steinmaterial bei Larvik/Südnorwegen vor. Während dieses Aufenthaltes entdeckte ich in einem stillgelegten Steinbruchbereich
drei auf Maß gespitzte flechtenüberzogene Steinblöcke, die die deutschen Besatzer 1945 dort zurückließen. Die Norweger nannten
sie GBI-Blöcke = Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt.
Das Projekt: Ziele – Leitmotive und Gedanken
Das aus intensiver innerer Befragung
entwickelte Projekt gliedert sich in drei Teile. Sie bringen meine geistige und emotionale Verbundenheit und Achtung gegenüber dem
norwegischen Volk zum Ausdruck. Jeweils möchte ich punktuell Deutsche und Norweger ins Gespräch und ins Kennenlernen bringen.
Das Projekt ist als Zeichen zu sehen, das
Unrecht der Okkupation anzuschauen und Motive für eine weitere Versöhnung zu erarbeiten. Grundsätzlich war mir dabei wichtig, die
norwegische Sprache zu lernen.
Das Kunstkonzept: ‚Norwegische Gruppe’
(siehe Modellfotos). Die Blöcke, je etwa 1,85x1x0,85m, wurden im Mai 1995 über Eck diagonal aufgesägt. Die neuen, schräg nach oben
weisenden Sägeflächen der sechs keilförmigen Hälften wurden leicht angewölbt und poliert. Sie werden in einer künftigen
Aufstellung an eine lockere Streuung von 25 Stahlbügel aus Flachstahl 12x6cm gruppiert. Jeder Bügel misst 3m Höhe. Die Stahlbügel
verstärken mit ihrer Höhe den räumlichen Eindruck der flach am Boden lagernden Steinblockhälften. In den polierten, augenartigen
Steinflächen spiegeln sich – Erinnerungsbildern gleich – Bäume, Himmel und die Stahlbügel. Dieses ‚Hoch-Blicken’ der
Steinflächen im Verhältnis zur Ausrichtung der das Gelände durchwandernden Stahlbügel hat für mich elementar mit Erinnerung zu
tun.
Die Dokumentation.
In einer zweisprachigen Dokumentation wird das zeitliche und räumliche Umfeld des Fundes rundblickartig dargestellt.
Neue Musik. An
eine/n norwegische/n und deutsche/n Komponisten/in wird je ein Auftrag für ein
kammermusikalisches Werk vergeben. Die beiden Persönlichkeiten sollen die Möglichkeit erhalten, sich an ihrem jeweiligen Tätigkeitsort
zu besuchen und zu begegnen.
Die Schirmherrschaft haben übernommen:
Frau Rut Brandt
Herr Dr.
Hans-Jochen Vogel
Das Goethe-Institut in Oslo, aber auch die
Königlich-Norwegische Botschaft und die Deutsche Botschaft und verschiedene weitere Persönlichkeiten auf gesellschaftlicher und
politischer Ebene sind oder waren zeitweise mit dem Projekt vertraut.
Das Projekt spiegelt meine persönliche
Betroffenheit wider angesichts der Verknüpfung dreier in Norwegen gefundener Steinblöcke mit der deutschen Geschichte, aber auch der
geschichtlichen Zusammenhänge und Wirkungen des Nationalsozialismus bis in die heutige Zeit hinein. Für mich als Nachgeborener ist
das Projekt deshalb auch Impuls und Möglichkeit, den Nationalsozialismus an seinen sichtbaren Wirkungen und Auswirkungen zu
begreifen, um daraus mit meiner Sprache – der Kunst – möglicherweise einen Beitrag
zu seiner Aufarbeitung zu leisten.-
Das Kunstwerk und insbesondere die
Dokumentation sollen nicht anklagen. Sie sollen hindeuten, sichtbar machen und Zusammenhänge auffächern. Aufarbeiten ist also
gemeint im Sinne eines Anschauens, einer erhöhten Aufmerksamkeit; dadurch bekommt sie die Möglichkeit zur Gewissheit, zur
Bewusstwerdung. Diese scheint mir auch heute noch notwendig zu sein.
Aufarbeiten ist aber auch gemeint im Sinne
des Gedächtnis-Begriffes von Siegfried Lenz. Einmal spricht er von „Gedächtnisarbeit“ als Suche, Befragung, Aneignung von
Vergangenem und daraus dann auch von einem Handeln für die Gegenwart. Lenz hat besonders in seinem frühen Roman ‚Stadtgespräch’
(norwegischer Titel: ‚bysnagg’) die Suche und Befragung von Vergangenheit sehr eindringlich und künstlerisch dargestellt.
Der Begriff der Erinnerung hat für das
ganze Projekt eine zentrale Bedeutung.
Stand der Dinge
Seit Mai 1996 ist die ‚Norwegische
Gruppe’ gefertigt und lagert in der Nähe von Larvik.
Im März 1997 gab es Kontakte zu
Privatpersonen und Offiziellen der Gemeinde von Vinstra im Gudbrandsdal, die sich in der weiteren Entwicklung das Kunstwerk nach Kvam
in einen zu gestaltenden Friedenspark wünschten. Frau Brandt besuchte im Juni die Gemeinde. Ich war im September dort. Das Grundstück
und die historische Umgebung schienen geeignet und so veranlasste ich einen Landschaftsarchitekten für den Park eine Form zu finden.
Diese hoffnungsvollen Entwicklungen in der
Gemeinde Vinstra führten leider nicht zum Ziel. Die Verwaltung von Vinstra zog im Herbst 1997 ihren Entschluss nach einer
Unterschriftenaktion wieder zurück.
Besonders durch die Präsenz Frau Rut
Brandt, Herrn Dr. Hans-Jochen Vogel von ‚Gegen Vergessen – Für Demokratie’, Frau Dr. Jutta Lange-Quassowski von der
Ernst-Strassmann-Stiftung, aber auch durch Birgit Mühlhaus vom Goethe-Institut in Oslo und Herrn MdB Franz Thönnes
wurde das Projekt vorwärts gebracht.
Dennoch
sehe ich heute, im Jahr 2008, keine Möglichkeit mehr, das Projekt in
dieser Form umzusetzen. Ich erwäge, die sechs Blockhälften als
allgemeines Kulturdenkmal ("Kulturminne") wieder der Kommune
Larvik zuzuführen. Die Stahlbügel werde ich übernehmen und nach
Deutschland schaffen.
Das Projekt
wurde von der
Ernst-Strassmann-Stiftung, von ‚Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.’ und
dem Goethe-Institut in Oslo unterstützt.
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